Von Blut, Urin & Co. – unser neues Praxislabor ist da!

Ein Praxislabor entsteht nicht an einem Nachmittag – auch wenn am Ende tatsächlich 20 Pakete vor der Tür stehen. Monate der Recherche, Vergleiche und Gespräche liegen hinter uns.
Inhouse Labor Tierarztpraxis Erling

Blut, Urin & Co. stecken voller Informationen – unser neues Praxislabor ist da!

Ein Praxislabor entsteht nicht an einem Nachmittag – auch wenn am Ende tatsächlich 20 Pakete vor der Tür stehen. Monate der Recherche, Vergleiche und Gespräche liegen hinter uns. Wir haben geplant, gemessen, gesägt, Verträge geprüft, verhandelt, Arbeitsunterlagen, Praxisleitfäden, PowerPoint-Präsentationen erstellt und unser Team geschult. Dann wurde ausgepackt, installiert, vernetzt, integriert und alles in Betrieb genommen. Jetzt ist es da: ein hochmodernes und leistungsfähiges Inhouse-Labor, mit dem wir viele wichtige Werte direkt bei uns in der Praxis bestimmen können.

Unser Labor kann insgesamt mehr als 110 Parameter erfassen – aus Blut, Urin und Ohrabstrichen sowie, bei passender Fragestellung, aus ausgewählten Körperflüssigkeiten. Welche Werte sinnvoll sind, entscheiden wir immer gemeinsam mit Euch und passend zu den Beschwerden Eures Tieres.

Denn bei aller Technik bleibt für uns die wichtigste Zahl die Eins:

Ein besonderes Tier mit einem Menschen
Ein individueller Fall und
Eine Diagnostik, die genau dazu passt.

 

Dein Tier wirkt plötzlich müde, trinkt auffällig viel, verliert Gewicht oder frisst nicht mehr. Vor einer Operation fragen wir uns, ob Nieren und Kreislauf ausreichend belastbar sind. Eine Epilepsietherapie wirkt nicht mehr so zuverlässig wie bisher. Oder das Blutbild zeigt eine Anämie oder Linksverschiebung, beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage nach ihrer Ursache.

In solchen Situationen können zusätzliche Informationen den nächsten Schritt erleichtern. Sehr viele Untersuchungen, für die Proben sonst an ein externes Labor geschickt werden, lassen sich nun direkt bei uns durchführen, in aller Regel noch während Eures Besuchs. So können wir Ergebnisse unmittelbar mit der Untersuchung, der individuellen Krankengeschichte und weiteren Befunden zusammenführen.

Technik liefert Werte – die Diagnose entsteht im Zusammenhang

Unser Praxislabor stellt keine Diagnose auf Knopfdruck. Es liefert uns aber in kurzer Zeit viele medizinische Informationen. Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn wir ausgewählte Laborwerte mit der klinischen Untersuchung, der Vorgeschichte und dem Gesamtbild Eures Tieres verbinden.

Fast alle Ergebnisse können wir noch während Eures Praxisbesuchs anhand eines Farbausdrucks, der für Eure Unterlagen bestimmt ist, besprechen. Natürlich sind die Ergebnisse auch über unsere App abrufbar. Für seltene oder besonders komplexe Fragestellungen arbeiten wir weiterhin mit spezialisierten externen Laboren zusammen.

Entscheidend ist für uns nicht die Zahl der Messwerte. Entscheidend ist, dass wir für Euer Tier genauer hinschauen, Zusammenhänge schneller erkennen und häufiger schon vor Ort Antworten bekommen.

Im Folgenden stellen wir einige exemplarische Szenarien vor, in denen unser Inhouse-Labor schnell wertvolle diagnostische Hilfen liefert.

Vor einer Narkose (Anästhesie)

Ein älterer Hund soll operiert werden oder braucht dringend eine Zahnsanierung. Bei der Voruntersuchung fällt auf, dass er mehr trinkt oder Gewicht verloren hat. Vielleicht gibt es bereits Hinweise auf eine beginnende Nierenfunktionsstörung.

Kreatinin und Harnstoff liefern wichtige Informationen. Ergänzende Werte wie SDMA, Phosphat und Elektrolyte können das Bild erweitern. Zusammen mit der Konzentrationsfähigkeit des Urins, dem Urinsediment und – wenn es zur Fragestellung passt – dem Protein-Kreatinin-Verhältnis lässt sich die Situation differenzierter beurteilen.

Die Befunde können auch für die Narkoseplanung wichtig sein: etwa bei der Auswahl der Medikamente, dem Flüssigkeitsmanagement und der Überwachung. Manchmal kann der Eingriff wie geplant stattfinden; manchmal ist es sinnvoll, zuerst weitere Fragen zu klären oder Maßnahmen zu treffen.

Wird bei einer Katze erstmals ein Herzgeräusch festgestellt, stellt sich vor einer geplanten Narkose oft die Frage, ob das Herz genauer untersucht werden sollte. Bestimmte Marker können wir in der Praxis direkt überprüfen. Ein auffälliges Ergebnis kann auf eine erhöhte Dehnung und Belastung des Herzmuskels hindeuten und dabei helfen, den Bedarf an weiterer Abklärung – etwa einem Herzultraschall – einzuschätzen.

Leberwerte: Was verraten sie über die Funktion?

Erhöhte Leberenzyme können darauf hinweisen, dass Leberzellen oder Gallenwege belastet sind. Sie zeigen aber nicht automatisch, wie gut die Leber ihre Aufgaben erfüllt.

Hier können Gallensäuren, je nach Fragestellung vor und nach der Fütterung bestimmt, zusätzliche Hinweise auf die Leberfunktion und den Gallenstoffwechsel geben. Das kann etwa bei Verdacht auf angeborene oder erworbene Leberfunktionsstörungen eine Rolle spielen. Weitere Werte wie Ammoniak, Bilirubin, Albumin oder Cholesterin ergänzen die Untersuchung, wenn sie zum jeweiligen Fall passen.

So bleibt es nicht bei der Feststellung „Der Leberwert ist erhöht“. Wir können gezielter nachfragen, was dahinterstecken könnte.

Epilepsie: Passt der Medikamentenspiegel?

Bei Hunden, die wegen epileptischer Anfälle Phenobarbital erhalten, zählt nicht allein die verabreichte Tablettendosis. Entscheidend ist auch, welche Wirkstoffkonzentration im Blut erreicht wird.

Den Phenobarbitalspiegel können wir direkt in der Praxis bestimmen. Das hilft zum Beispiel, wenn Anfälle wieder häufiger auftreten, Nebenwirkungen vermutet werden oder die Therapie kontrolliert werden soll. Zeitpunkt der Blutentnahme, Krankheitsverlauf und weitere Befunde beziehen wir in die Beurteilung mit ein.

Cortisol: Hormonstörungen gezielt untersuchen

Erkrankungen der Nebennieren können sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen – etwa Schwäche, Erbrechen, Gewichtsveränderungen, vermehrten Durst oder Kreislaufprobleme.

Bei Hunden unterstützt die quantitative Cortisolbestimmung die Abklärung entsprechender Verdachtsfälle. Sie kann als Basalwert oder als Teil eines festgelegten Funktionstests erfolgen, zum Beispiel bei Verdacht auf Morbus Addison oder ein Cushing-Syndrom. Ein Cortisolwert steht dabei nie allein: Wir beurteilen ihn gemeinsam mit den Symptomen, den Elektrolyten und dem Ablauf des jeweiligen Tests.

Bei einer Anämie zählt nicht nur die Zahl der roten Blutkörperchen

Zeigt das Blutbild eine Blutarmut, stellt sich eine wichtige Frage: Reagiert das Knochenmark bereits darauf?

Dafür bestimmen wir Retikulozyten, also junge rote Blutkörperchen. Sie helfen einzuschätzen, ob das Knochenmark vermehrt neue Zellen bildet. Das lenkt die weitere Ursachensuche in unterschiedliche Richtungen – zum Beispiel zu Blutverlust, einem verstärkten Abbau roter Blutkörperchen oder einer verminderten Neubildung.

Zusätzlich können wir die Form und weitere Merkmale von Blutzellen beurteilen. Je nach Tierart und Fragestellung können dabei unter anderem Auffälligkeiten wie Sphärozyten, Akanthozyten, Schistozyten oder eine Verklumpung roter Blutkörperchen sichtbar werden. Auch unreife neutrophile Granulozyten und verklumpte Blutplättchen können wichtige Hinweise liefern. Solche Befunde sind keine Diagnose für sich, helfen uns aber dabei, gezielter weiterzusuchen.

 

Entzündungen auf der Spur: das weiße Blutbild

Das weiße Blutbild zeigt, ob Zahl und Verteilung der Abwehrzellen verändert sind. Mit seinem Differenzialblutbild unterscheidet unser Labor die wichtigsten Untergruppen der weißen Blutkörperchen. Ergänzend können Zellmerkmale beurteilt und zum Beispiel unreife neutrophile Granulozyten erfasst werden – mögliche Hinweise auf ein aktives Entzündungsgeschehen.

Blutchemische Marker wie das C-reaktive Protein (CRP, beim Hund) können den Befund ergänzen. Sie helfen, Entzündungen einzuschätzen und ihren Verlauf zu kontrollieren. Zusammen mit der Krankengeschichte und der Untersuchung unterstützen die Ergebnisse uns dabei, Ursachen einzugrenzen und gezielt weiterzusuchen.

 

Auch Urin und Ohrabstriche erzählen eine eigene Geschichte

Eine vollständige Urinuntersuchung besteht bei uns nicht nur aus einem Teststreifen. Wir verbinden die chemische Analyse mit der Messung der Urinkonzentration und der automatisierten Beurteilung des Urinsediments.

Dabei können unter anderem rote und weiße Blutkörperchen, Bakterien, Kristalle, Zylinder und Epithelzellen erkannt und bildlich dargestellt werden. Bei Verdacht auf Harnwegs- oder Nierenerkrankungen sowie Kristallbildung liefert diese Kombination hilfreiche Zusatzinformationen.

Auch Ohrabstriche können wir direkt untersuchen. Unser entsprechendes Gerät unterstützt die Beurteilung von Hefen, verschiedenen Bakterienformen und Entzündungszellen; außerdem kann es Hinweise auf Ohrmilben geben. So lässt sich eine Ohrentzündung gezielter einschätzen und die Behandlung besser auf den Befund abstimmen.

Das Gerät liefert Informationen.
Die Diagnose stellen wir – gemeinsam mit Euch und mit Blick auf Euer Tier.

Möchtet Ihr mehr über die neuen Möglichkeiten wissen? Sprecht uns doch einfach beim nächsten Besuch an.

Wir freuen uns auf Euch!

Euer Team der Tierarztpraxis Erling
Weil Dein Tier mitredet!