Unsere Tiere werden älter. Das ist ein ganz natürlicher Teil des Lebens. Und einer, der viele schöne Seiten hat: vertraute Rituale, gemeinsame Erinnerungen und dieses besondere Verständnis, das über die Jahre zwischen Mensch und Tier wächst.
Gleichzeitig verändert sich manches. Der Körper braucht vielleicht mehr Unterstützung. Kleine Beschwerden schleichen sich ein. Und plötzlich steht die Frage im Raum:
Ist mein Tier einfach nur älter geworden – oder steckt mehr dahinter?
In diesem Special nehmen wir Dich mit in die Welt der tierischen Senioren. Wir erklären, welche Veränderungen und Erkrankungen bei älteren Hunden und Katzen häufiger vorkommen, worauf Du achten kannst und wie wir Euch in der Tierarztpraxis Erling begleiten.
Und keine Sorge: Fachbegriffe dürfen vorkommen. Wir erklären sie aber auch. Schließlich sollst Du nach der Lektüre etwas über Dein Tier wissen – und nicht das Gefühl haben, versehentlich ein tiermedizinisches Staatsexamen gebucht zu haben.
Älter werden ist keine Krankheit
Ein älteres Tier darf gemütlicher werden. Es darf länger schlafen, Spaziergänge in seinem eigenen Tempo genießen und den warmen Platz auf dem Sofa dem wildesten Spiel vorziehen.
Aber nicht jede Veränderung ist eine harmlose Alterserscheinung.
Wenn Dein Hund nicht mehr ins Auto springen möchte, können schmerzende Gelenke dahinterstecken. Wenn Deine Katze plötzlich mehr trinkt, lohnt sich unter anderem ein Blick auf die Nieren und den Stoffwechsel. Und wenn Dein Tier nachts unruhig ist, kann es viele mögliche Ursachen geben – von Schmerzen bis hin zu einer Veränderung der Orientierung.
Unser Grundsatz: Wir nehmen Veränderungen ernst und schauen auf das ganze Tier.
Das Alter allein ist keine Diagnose. Viele Beschwerden lassen sich behandeln oder zumindest so begleiten, dass Dein Tier wieder mehr Lebensqualität gewinnt.
Ab wann ist mein Tier eigentlich alt?
Die Antwort ist so individuell wie Dein Tier selbst.
Große Hunde altern häufig früher als kleine Hunde. Bei Katzen spielen neben dem Alter unter anderem Veranlagung, Lebensumstände und Vorerkrankungen eine Rolle.
Eine feste Zahl im Impfpass erzählt deshalb nur einen Teil der Geschichte. Viel wichtiger ist, wie es Deinem Tier geht:
Du kennst Deinen Hund oder Deine Katze am besten. Deine Beobachtungen sind für uns ein wichtiger Teil der Untersuchung – auch dann, wenn Du selbst noch nicht genau sagen kannst, was eigentlich anders ist.
Geriatrie – was bedeutet das?
Die medizinische Betreuung älterer Tiere wird als Geriatrie bezeichnet. Dabei geht es um Vorsorge und Behandlung, aber auch um die Frage, wie ein Tier seinen Alltag erlebt.
Denn gerade im Alter können mehrere Dinge zusammenkommen: Die Gelenke schmerzen, die Nieren arbeiten nicht mehr ganz so zuverlässig und vielleicht ist auch das Sehvermögen nicht mehr das, was es einmal war.
In der Geriatrie betrachten wir diese Zusammenhänge. Eine Behandlung soll zu Deinem Tier, seinen Erkrankungen und Eurem gemeinsamen Alltag passen. Manchmal sind kleine Veränderungen bereits hilfreich. Manchmal braucht es eine genauere Untersuchung oder eine längerfristige Therapie.
Das Ziel bleibt dasselbe: möglichst viele gute gemeinsame Tage.
Kleine Veränderungen, die viel erzählen
Viele Erkrankungen entwickeln sich langsam. Was an einem Tag noch gar nicht auffällt, zeigt sich vielleicht erst im Rückblick: Der Hund wollte schon länger nicht mehr so weit laufen. Die Katze hat ihren Lieblingsplatz auf dem Schrank irgendwann aufgegeben. Der Wassernapf muss häufiger aufgefüllt werden.
Es lohnt sich, solche Veränderungen zu beobachten:
Ein einzelnes Anzeichen verrät noch nicht, welche Ursache dahintersteckt. Aber es ist eine gute Gelegenheit, gemeinsam genauer hinzuschauen.
Gerade Katzen sind darin geübt, Beschwerden nicht allzu offensichtlich zu zeigen. Eine Katze mit Schmerzen muss nicht laut klagen. Sie entscheidet möglicherweise einfach, dass der Platz auf dem Sofa ab sofort ausreichend hoch ist. Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung – aber manchmal eben auch ein Hinweis.
Typische Erkrankungen bei älteren Hunden und Katzen
Wenn die Gelenke nicht mehr mitspielen: Arthrose
Dein Hund steht morgens etwas schwerfälliger auf? Deine Katze nimmt plötzlich den Umweg über einen Stuhl, um auf die Fensterbank zu gelangen? Vielleicht sind die Gelenke nicht mehr ganz so beweglich wie früher.
Eine häufige Ursache ist die Arthrose – eine chronische Erkrankung des Gelenks, bei der sich verschiedene Gelenkstrukturen verändern. Das kann Schmerzen, Steifheit und Einschränkungen der Beweglichkeit verursachen.
Bei Hunden fallen Beschwerden manchmal durch Lahmheit, langsames Aufstehen oder Probleme beim Treppensteigen auf. Katzen humpeln dagegen häufig nicht offensichtlich. Sie springen weniger, putzen sich an schwer erreichbaren Stellen nicht mehr so gründlich oder ziehen sich zurück.
Auch die Wirbelsäule kann betroffen sein. Dort kommen beispielsweise Spondylosen vor: knöcherne Veränderungen zwischen Wirbeln. Ob solche Veränderungen Beschwerden verursachen, muss im Einzelfall beurteilt werden.
Was können wir tun?
Wir untersuchen Dein Tier und besprechen mit Dir, welche weiteren Schritte sinnvoll sind. Je nach Situation können eine angepasste Schmerztherapie, regelmäßige Bewegung, ein passendes Körpergewicht und Veränderungen im Zuhause helfen.
Wichtig ist, die Behandlung regelmäßig zu überprüfen: Bewegt sich Dein Tier leichter? Schläft es besser? Ist es wieder interessierter an seinem Alltag? Deine Beobachtungen sind dafür besonders wertvoll.
Wir bieten hierfür für Hunde einen selbst entwickelten Fragebogen auf der Grundlage des Helsinki Chronic Pain Index sowie für Katzen einen eigenen individuell erstellten Fragebogen für zuhause an.
Schmerzen gehören nicht einfach zum Alter dazu. Wenn Dein Tier sich anders bewegt oder verhält, lohnt sich eine Untersuchung.
Bitte gib Deinem Tier auch keine Schmerzmittel aus Deiner eigenen Hausapotheke. Manche Wirkstoffe können für Hunde und insbesondere für Katzen gefährlich sein.
Wenn das Herz Unterstützung braucht
Das Herz leistet ein Leben lang Erstaunliches. Mit zunehmendem Alter können sich jedoch Erkrankungen entwickeln, die seine Arbeit beeinträchtigen.
Bei Hunden kommen zum Beispiel Veränderungen an den Herzklappen vor. Eine häufig betroffene Klappe ist die Mitralklappe. Schließt sie nicht mehr richtig, kann Blut in die falsche Richtung zurückströmen. Ob und wie stark das Herz dadurch belastet wird, ist individuell verschieden.
Bei Katzen spielen unter anderem Erkrankungen des Herzmuskels eine Rolle. Diese werden als Kardiomyopathien bezeichnet. Manche Katzen zeigen lange Zeit keine eindeutigen Anzeichen.
Mögliche Hinweise auf Herzprobleme können eine geringere Belastbarkeit, Schwäche oder eine veränderte Atmung sein. Bei Hunden kann auch Husten auftreten. Allerdings gilt: Nicht jeder Husten kommt vom Herzen – und nicht jedes herzkranke Tier hustet.
Beim Abhören kann ein nicht physiologisches Herzgeräusch auffallen. Das ist zunächst ein Hinweis, noch keine vollständige Diagnose. Je nach Befund können weitere Untersuchungen helfen, zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung des Herzens oder ein EKG, mit dem die elektrische Herztätigkeit beurteilt wird.
Bei manchen Fragestellungen können auch bestimmte Blutwerte, sogenannte Herzmarker, zusätzliche Informationen liefern. Welche Untersuchung sinnvoll ist, besprechen wir mit Dir.
Wann wird es dringend?
Deutliche Atemnot, eine plötzlich stark erschwerte Atmung oder ein Zusammenbruch sind ein Notfall. Bitte melde Dich umgehend bei uns oder beim tierärztlichen Notdienst.
Wenn die Nieren leiser arbeiten
Die Nieren übernehmen viele Aufgaben: Sie filtern das Blut, regulieren mit den Flüssigkeitshaushalt und helfen dabei, Stoffwechselprodukte auszuscheiden.
Gerade bei älteren Katzen ist die chronische Nierenerkrankung häufig. Vielleicht hast Du dafür schon einmal die Abkürzung CNI gehört – sie steht für chronische Niereninsuffizienz. Auch Hunde können betroffen sein.
Das Schwierige: Zu Beginn zeigen viele Tiere kaum auffällige Beschwerden. Später können vermehrtes Trinken und Urinieren, Gewichtsverlust, nachlassender Appetit, Übelkeit oder ein verändertes Allgemeinbefinden auftreten.
Blut- und Urinuntersuchungen helfen dabei, die Nierenfunktion einzuschätzen. Dabei kann unter anderem der Blutwert SDMA zusätzliche Hinweise liefern. Ein einzelner Wert erzählt allerdings noch nicht die ganze Geschichte: Wir beurteilen Ergebnisse immer zusammen mit dem Tier, den übrigen Befunden und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen.
Eine chronische Nierenerkrankung lässt sich in der Regel nicht einfach rückgängig machen. Ihre Folgen können aber häufig behandelt und der Verlauf begleitet werden. Je nach Situation gehören dazu Kontrollen, eine angepasste Ernährung und weitere unterstützende Maßnahmen.
Wichtig: Wasser sollte Deinem Tier immer frei zur Verfügung stehen. Bitte begrenze die Trinkmenge nicht, auch wenn Dein Tier häufiger zur Toilette muss.
Diabetes: Wenn der Zuckerhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät
Auch Hunde und Katzen können an Diabetes mellitus, umgangssprachlich Zuckerkrankheit, erkranken.
Dabei kann der Körper den Blutzucker nicht mehr ausreichend regulieren. Häufige Anzeichen sind vermehrter Durst, größere Urinmengen und Gewichtsverlust. Manche Tiere haben gleichzeitig einen guten oder sogar gesteigerten Appetit.
Bei Katzen können die Veränderungen zunächst unauffällig sein. Vielleicht muss die Katzentoilette häufiger gereinigt werden oder der Wassernapf ist schneller leer als früher. Beim Hund fällt Dir möglicherweise auf, dass er öfter hinausmuss.
Ob tatsächlich ein Diabetes vorliegt, klären wir durch geeignete Untersuchungen. Ähnliche Symptome können nämlich auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Gerade bei Katzen kann ein einzelner erhöhter Blutzuckerwert außerdem durch Aufregung beeinflusst sein. Deshalb betrachten wir auch hier das Gesamtbild.
Die Behandlung wird auf Dein Tier abgestimmt. Häufig gehören Insulin, eine passende Ernährung und regelmäßige Kontrollen dazu. Das klingt im ersten Moment vielleicht nach einer großen Aufgabe. Wir besprechen mit Dir in Ruhe, was notwendig ist und wie sich die Behandlung in Euren Alltag einfügen lässt.
Die Schilddrüse: klein, aber wirkungsvoll
Die Schilddrüse sitzt im Halsbereich und beeinflusst mit ihren Hormonen viele Vorgänge im Körper. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann das ganz unterschiedliche Folgen haben.
Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze
Bei älteren Katzen kommt häufiger eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Der Fachbegriff lautet Hyperthyreose.
Typisch kann sein, dass eine Katze trotz guten oder sogar gesteigerten Appetits abnimmt. Manche Tiere wirken unruhiger, trinken mehr, erbrechen häufiger oder haben ein verändertes Fell.
Natürlich kann eine Katze auch einfach sehr überzeugend behaupten, seit Tagen nichts zu fressen bekommen zu haben. Wenn sie dabei aber Gewicht verliert, sollten wir das genauer untersuchen.
Schilddrüsenunterfunktion beim Hund
Beim Hund begegnet uns eher eine Schilddrüsenunterfunktion, die Hypothyreose. Mögliche Hinweise sind verminderte Aktivität, Gewichtszunahme sowie Veränderungen von Haut und Fell.
Ob die Schilddrüse tatsächlich die Ursache ist, lässt sich nicht allein am Verhalten erkennen. Dafür braucht es eine Untersuchung und gegebenenfalls passende Bluttests.
Morbus Cushing: Wenn zu viel Cortisol im Spiel ist
Vor allem bei Hunden mittleren und höheren Alters kann ein Cushing-Syndrom auftreten. Der medizinische Begriff Hyperadrenokortizismus klingt ein wenig so, als hätte jemand beim Tierarzt-Buchstabenbingo besonders viel Glück gehabt.
Gemeint ist vereinfacht gesagt ein länger bestehender Überschuss an Cortisol – einem Hormon, das viele Aufgaben im Körper hat. Ein solcher Überschuss kann unterschiedliche Ursachen haben. Auch eine Behandlung mit bestimmten cortisonhaltigen Medikamenten kann ähnliche Veränderungen hervorrufen.
Mögliche Anzeichen sind vermehrtes Trinken und Urinieren, gesteigerter Appetit, Hecheln, Muskelschwäche, ein zunehmend rundlicher Bauch sowie Veränderungen von Haut und Fell.
Weil diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können, braucht die Diagnose eine sorgfältige Einordnung und gegebenenfalls spezielle Tests. Ob und welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Ursache und der Situation des einzelnen Tieres ab.
Zähne und Maul: Wenn Fressen zur unangenehmen Aufgabe wird
„Er frisst doch noch.“ Diesen Satz hören wir oft. Und er ist verständlich – schließlich scheint beim Fressen erst einmal alles in Ordnung zu sein.
Tatsächlich fressen viele Tiere trotz Zahnschmerzen weiter. Sie müssen ja irgendwie satt werden.
Zahnstein, Entzündungen des Zahnfleischs und Erkrankungen des Zahnhalteapparats – die Parodontitis – können Beschwerden verursachen. Bei Katzen kommen außerdem häufig Zahnresorptionen vor: Dabei wird Zahnhartsubstanz abgebaut. Diese Veränderungen können sehr schmerzhaft sein und sind von außen nicht immer vollständig zu erkennen.
Mögliche Hinweise sind Mundgeruch, vorsichtiges oder einseitiges Kauen, Speicheln und eine veränderte Futteraufnahme. Manche Tiere lassen sich auch ungern am Kopf berühren. Andere zeigen erstaunlich wenig.
Deshalb gehört der Blick ins Maul zur Gesundheitsvorsorge dazu. Wenn wir Veränderungen entdecken, besprechen wir mit Dir, welche weiteren Schritte sinnvoll sind.
Ist mein Tier für eine Zahnbehandlung nicht zu alt?
Diese Frage ist wichtig und verständlich. Eine Zahnbehandlung erfordert häufig eine Narkose. Das Alter allein sagt aber noch nicht aus, ob eine Narkose möglich ist oder wie hoch das individuelle Risiko einzuschätzen ist.
Entscheidend sind unter anderem der allgemeine Zustand, mögliche Vorerkrankungen und die geplante Behandlung. Wir besprechen mit Dir, welche Voruntersuchungen sinnvoll sind und wie wir die Narkose auf Dein Tier abstimmen können. Dabei werden Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen.
Bluthochdruck: Die stille Belastung
Auch Tiere können einen zu hohen Blutdruck haben. Der Fachbegriff dafür lautet Hypertonie.
Besonders bei älteren Katzen kann Bluthochdruck beispielsweise im Zusammenhang mit einer Nieren- oder Schilddrüsenerkrankung auftreten. Das Problem: Er bleibt häufig zunächst unbemerkt. Auf Dauer kann er verschiedene Organe belasten, darunter Augen, Nieren, Herz und Gehirn.
Ob eine Blutdruckmessung angezeigt ist, hängt unter anderem von den Befunden und Vorerkrankungen Deines Tieres ab.
Wenn Dein Tier plötzlich schlecht sieht, gegen Gegenstände läuft oder ungewöhnlich desorientiert wirkt, melde Dich bitte zeitnah bei uns oder beim tierärztlichen Notdienst. Dahinter können unterschiedliche Ursachen stecken, die rasch abgeklärt werden sollten.
Harnwege und Inkontinenz: Wenn etwas daneben geht
Eine Pfütze in der Wohnung oder ein nasser Schlafplatz ist für Mensch und Tier unangenehm. Für Dein Tier ist es aber kein Anlass für Ärger – sondern möglicherweise ein Hinweis auf ein gesundheitliches Problem.
Eine Inkontinenz bedeutet, dass Urin unwillkürlich verloren geht. Daneben gibt es viele andere Gründe, weshalb ein Tier unsauber wird oder häufiger urinieren muss: etwa Erkrankungen der Harnwege, eine erhöhte Urinproduktion oder Schmerzen beim Erreichen der Katzentoilette.
Auch hier hilft es, genau hinzuschauen: Passiert es im Schlaf? Muss Dein Tier häufiger kleine Mengen absetzen? Trinkt es mehr? Wirkt der Urin verändert?
Eine Urinuntersuchung und gegebenenfalls weitere Diagnostik helfen uns, die Ursache einzugrenzen.
Wichtig: Wenn Dein Tier wiederholt versucht zu urinieren, aber kaum oder keinen Urin absetzt, ist das dringend abklärungsbedürftig. Insbesondere bei Katern kann ein Harnröhrenverschluss ein lebensbedrohlicher Notfall sein.
Wenn der Bauch erzählt: Verdauung und Leber
Auch Verdauungsprobleme sollten bei älteren Tieren nicht einfach mit dem Alter erklärt werden. Wiederkehrendes Erbrechen, anhaltender Durchfall, Verstopfung, Gewichtsverlust oder nachlassender Appetit können viele Ursachen haben.
Dazu gehören Veränderungen im Magen-Darm-Trakt, Erkrankungen anderer Organe oder Probleme mit der Futterverträglichkeit. Auch die Leber, die unter anderem am Stoffwechsel beteiligt ist, kann erkranken.
Ein einzelner weicher Haufen ist noch keine Diagnose. Wenn Beschwerden aber anhalten, wiederkehren oder Dein Tier zusätzlich matt wirkt, sollten wir der Sache nachgehen.
Je nach Situation können eine klinische Untersuchung, Blut- und Kotuntersuchungen oder ein Ultraschall sinnvoll sein. Und ja: Manchmal ist eine gut beschriebene Kotprobe für uns tatsächlich eine wertvolle Information. Im Tierarztalltag verschieben sich die Maßstäbe für spannende Gesprächsthemen bekanntlich etwas.
Wenn Orientierung und Verhalten sich verändern
Dein Hund steht nachts plötzlich unruhig in der Wohnung? Deine Katze ruft häufiger, wirkt verwirrt oder findet gewohnte Plätze nicht mehr so sicher?
Auch die geistige Leistungsfähigkeit kann sich im Alter verändern. Bei Hunden und Katzen gibt es altersbedingte Veränderungen, die mit einer kognitiven Dysfunktion verbunden sein können – manchmal auch als Demenz bezeichnet.
Mögliche Anzeichen sind Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Orientierungsschwierigkeiten, veränderte Kontakte zu Menschen oder Tieren und eine nachlassende Stubenreinheit.
Doch bevor wir eine solche Veränderung annehmen, schauen wir genau hin. Denn Schmerzen, nachlassendes Seh- oder Hörvermögen, Organerkrankungen und andere Ursachen können ähnliche Auffälligkeiten auslösen.
Feste Abläufe, gut erreichbare Lieblingsplätze und sanfte Beschäftigung können älteren Tieren helfen, sich sicherer zu fühlen. Welche weiteren Möglichkeiten infrage kommen, besprechen wir individuell mit Dir.
Augen und Ohren: Wenn die Welt anders wahrgenommen wird
Mit dem Alter können Seh- und Hörvermögen nachlassen. Manchmal reagiert ein Hund nicht mehr sofort auf seinen Namen. Oder eine Katze erschrickt leichter, weil sie eine Annäherung nicht bemerkt hat.
Auch Veränderungen an den Augen sind möglich. Eine Trübung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Dein Tier blind wird. Es gibt verschiedene Ursachen, die unterschiedlich beurteilt werden müssen.
Im Alltag helfen oft kleine Anpassungen: Sprich Dein Tier an, bevor Du es berührst, und vermeide überraschende Veränderungen seiner gewohnten Umgebung. Bei plötzlichen Veränderungen des Sehvermögens, schmerzhaften oder stark geröteten Augen solltest Du Dich zeitnah bei uns melden.
Und falls Dein älterer Hund manchmal nicht mehr hört, wenn Du ihn rufst: Das kann am Gehör liegen. Es kann aber auch sein, dass er gerade sehr intensiv mit einem besonders interessanten Geruch beschäftigt ist. Wir kennen das.
Knoten, Knubbel und andere Veränderungen
Ein neuer Knubbel unter der Haut sorgt verständlicherweise für Fragen. Gerade bei älteren Tieren kommen solche Veränderungen häufiger vor.
Manche sind gutartig, andere müssen genauer untersucht werden. Der medizinische Oberbegriff Tumor beschreibt zunächst eine Gewebeneubildung beziehungsweise Schwellung und bedeutet nicht automatisch Krebs. Ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist, lässt sich durch bloßes Anschauen oder Abtasten aber oft nicht sicher beurteilen.
Zeig uns deshalb neue Knoten und auch solche, die wachsen, sich verändern oder Dein Tier stören. Gemeinsam entscheiden wir, ob und welche Untersuchung sinnvoll ist.
Das gilt ebenso für schlecht heilende Wunden, unerklärlichen Gewichtsverlust oder andere Veränderungen, die länger bestehen.
Der Senioren-Check: Vorsorge mit Weitblick
Ältere Tiere sind keine kleinen Maschinen, bei denen man einfach eine bestimmte Anzahl von Jahren auf dem Tacho abliest. Sie haben ihre eigene Geschichte, ihre Gewohnheiten und manchmal auch mehrere gesundheitliche Themen gleichzeitig.
Beim Senioren-Check nehmen wir uns deshalb das ganze Tier vor.
Wir sprechen mit Dir darüber, was Dir zu Hause auffällt, und untersuchen Deinen Hund oder Deine Katze gründlich. Dabei achten wir unter anderem auf Gewicht und Körperzustand, Beweglichkeit, Herz und Kreislauf sowie Zähne und Maul.
Je nach Alter, Vorgeschichte und Befund können ergänzende Untersuchungen sinnvoll sein:
Unser Praxislabor unterstützt uns dabei, viele Blut- und Urinuntersuchungen direkt vor Ort durchzuführen. So können wir je nach Untersuchung zeitnah Ergebnisse besprechen und die nächsten Schritte planen.
Nicht jedes Tier braucht bei jedem Besuch das volle Programm. Wir erklären Dir, welche Untersuchungen wir empfehlen und weshalb.
Für viele Senioren sind regelmäßige Kontrollen in kürzeren Abständen sinnvoll – häufig auch dann, wenn zu Hause alles gut zu sein scheint. Welcher Rhythmus zu Deinem Tier passt, besprechen wir gemeinsam.
Deine Beobachtungen sind Gold wert
Im Behandlungszimmer sehen wir Dein Tier für einen begrenzten Zeitraum. Du erlebst es jeden Tag. Deshalb helfen uns Deine Beobachtungen dabei, Veränderungen besser einzuordnen.
Für den nächsten Termin kannst Du Dir zum Beispiel überlegen:
Auch kurze Videos können hilfreich sein – etwa wenn Dein Hund zu Hause anders läuft als in der Praxis oder Deine Katze nur manchmal Schwierigkeiten beim Springen zeigt.
Und falls Dein Tier im Untersuchungszimmer plötzlich demonstriert, dass es noch genauso sportlich ist wie mit drei Jahren: Auch das kommt vor. Die zu Hause aufgenommenen Videos glauben wir Dir trotzdem.
Schmerzen erkennen und Lebensfreude erhalten
Chronische Schmerzen entstehen oder verstärken sich häufig schleichend. Ein Tier muss dabei nicht jaulen oder humpeln. Vielleicht schläft es unruhiger, lässt sich weniger gern anfassen oder hat schlicht weniger Lust auf Dinge, die früher Freude gemacht haben.
Deshalb fragen wir nicht nur: „Tut es irgendwo weh?“ Wir fragen auch: Wie geht es Deinem Tier in seinem Alltag?
Bei einer Schmerztherapie schauen wir gemeinsam, welche Behandlung zur Ursache und zum Gesundheitszustand passt. Dabei berücksichtigen wir auch andere Erkrankungen und Medikamente.
Regelmäßige Kontrollen helfen uns zu beurteilen, ob die Behandlung ihren Zweck erfüllt. Wie leicht steht Dein Hund auf? Nutzt Deine Katze ihre Lieblingsplätze wieder? Hat Dein Tier mehr Freude an Bewegung und Kontakt?
Für die Beobachtung zu Hause können auch Fragebögen hilfreich sein. Sie machen Veränderungen über die Zeit oft besser sichtbar – gerade dann, wenn Fortschritte oder Verschlechterungen nicht von einem Tag auf den anderen auftreten.
Wie bereits eingangs erwähnt bieten wir für Hunde einen selbst entwickelten Fragebogen auf der Grundlage des Helsinki Chronic Pain Index sowie für Katzen einen eigenen individuell erstellten Fragebogen für zuhause an. Diesen werten wir in regelmäßigen Abständen im Rahmen einer Kontrolluntersuchung gemeinsam aus.
Kleine Hilfen für große Lebensqualität
Ein altersgerechtes Zuhause muss nicht komplett umgebaut werden. Oft helfen schon ein paar gut durchdachte Veränderungen.
Für ältere Hunde
Ein rutschfester Teppich auf glattem Boden kann das Aufstehen erleichtern. Eine Rampe hilft möglicherweise beim Einstieg ins Auto. Ein weicher, warmer und gut erreichbarer Liegeplatz lädt zum Ausruhen ein.
Statt einer langen Runde passen vielleicht mehrere kürzere Spaziergänge besser zum Tagesrhythmus. Wichtig ist, dass die Bewegung Freude macht und zum Zustand Deines Hundes passt.
Schnuppern, in Ruhe die Umgebung erkunden und zwischendurch eine Pause machen: Auch das ist ein richtig guter Spaziergang. Dein Hund muss schließlich keine Kilometer sammeln, um eine Laterne ordnungsgemäß zu untersuchen.
Für ältere Katzen
Eine Katzentoilette mit niedrigem Einstieg kann den Alltag erleichtern. Kleine Aufstiegshilfen führen zum Lieblingsplatz, ohne dass ein großer Sprung nötig ist. Futter, Wasser und Ruheplätze sollten gut erreichbar sein.
Wenn Deine Katze das Putzen nicht mehr überall selbst schafft, freut sie sich vielleicht über vorsichtige Unterstützung bei der Fellpflege – vorausgesetzt, sie findet das auch wirklich gut. Katzen haben dazu bekanntlich eigene Meinungen und teilen sie bei Bedarf sehr deutlich mit.
Ernährung: Was passt jetzt zu meinem Tier?
Mit dem Alter können sich Energiebedarf, Muskelmasse, Appetit und Verdauung verändern. Manche Tiere nehmen zu, andere verlieren Gewicht. Erkrankungen wie Diabetes oder eine Nierenerkrankung können besondere Anforderungen an die Fütterung stellen.
Ein Futter mit der Aufschrift „Senior“ ist deshalb nicht automatisch für jedes ältere Tier die beste Wahl. Entscheidend ist, was Dein Hund oder Deine Katze persönlich braucht.
Wir beraten Dich gern zur Ernährung Deines Tieres und berücksichtigen dabei auch bestehende Erkrankungen, Vorlieben und Euren Alltag. Denn die beste Empfehlung hilft nur, wenn sie zu Euch passt und Dein Tier sein Futter auch gerne frisst.
Wann solltest Du Dich bei uns melden?
Du musst nicht warten, bis Dein Tier offensichtlich krank wirkt. Wenn Dir eine Veränderung Sorgen macht, sprich uns an. Gerade bei schleichenden Entwicklungen kann es hilfreich sein, frühzeitig hinzuschauen.
Sofortige Hilfe ist insbesondere gefragt bei:
Melde Dich in diesen Fällen umgehend bei uns oder beim tierärztlichen Notdienst an. Wenn Du unsicher bist, wie dringend eine Veränderung ist, ruf uns lieber an – gemeinsam lässt sich die Situation besser einschätzen.
Und wenn der gemeinsame Weg schwerer wird?
Mit zunehmendem Alter können Fragen auftauchen, die niemand gerne stellt. Wie viel Behandlung ist sinnvoll? Hat mein Tier noch Freude am Alltag? Und woran merke ich, dass es ihm nicht mehr gut geht?
Solche Gedanken dürfen Raum haben. Du musst sie weder verdrängen noch allein mit Dir ausmachen.
Wir hören Dir zu und schauen gemeinsam auf Dein Tier: Was macht ihm noch Freude? Kann es sich ausruhen, fressen und bewegen? Gibt es Schmerzen oder andere Beschwerden, die wir lindern können?
Manchmal geht es darum, eine Erkrankung zu behandeln. Manchmal darum, Beschwerden zu lindern und die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Diese begleitende Versorgung wird auch Palliativmedizin genannt.
Wenn Loslassen zur letzten liebenden Fürsorge wird
Manchmal kommt der Zeitpunkt, an dem wir trotz aller Möglichkeiten nicht mehr ausreichend dafür sorgen können, dass es Deinem Tier gut geht. Dann kann die Frage nach einer Euthanasie – dem Einschläfern – entstehen.
Diese Entscheidung fällt selten leicht. Wir lassen Dich damit nicht allein: Wir besprechen mit Dir in Ruhe, wie es Deinem Tier geht, welche Möglichkeiten es noch gibt und was ein Abschied für Euch bedeuten würde.
Auch auf diesem Weg sind wir für Euch da – mit Zeit für Deine Fragen, einer ehrlichen Einschätzung und einer liebevollen Begleitung.
Viele Jahre. Viele Geschichten. Viele gute Momente.
Ein älterer Hund oder eine ältere Katze trägt ein ganzes gemeinsames Leben mit sich: die kleinen Marotten, die vertrauten Blicke und all die Geschichten, die nur Ihr zusammen erlebt habt.
Vielleicht geht heute alles ein bisschen langsamer. Dafür weiß Dein Tier längst ganz genau, wann Fütterungszeit ist, wo der gemütlichste Platz liegt und wie man seinen Menschen mit einem einzigen Blick um den Finger wickelt.
Mit Aufmerksamkeit, passender Vorsorge und einer individuellen Behandlung können wir viel dafür tun, dass Dein Tier seinen Alltag auch im Alter möglichst beschwerdearm und voller Lebensfreude genießen kann.
Du hast Fragen zu Deinem älteren Hund oder Deiner Katze? Dir ist eine Veränderung aufgefallen oder Du möchtest einen Senioren-Check vereinbaren?
Dann sprich uns gerne an. Wir sind für Euch da.
Gerne kannst Du Dich auch durch Klick hier im Bereich Leistungen/Geriatrie (Altersmedizin) weiter über unser Angebot informieren.
Dein Team der Tierarztpraxis Erling, weil Dein Tier mitredet.